Montag, 17.02.2020 01:32 Uhr

Rückblick 3: Weimarer Mentoring-Programm

Verantwortlicher Autor: K.-W. Fleißig Weimar / Sachsenbrunn, 03.01.2020, 22:31 Uhr
Presse-Ressort von: Karl-Wolfgang Fleißig Bericht 3745x gelesen

Weimar / Sachsenbrunn [ENA] Sachsenbrunner Kindertagesstätte erhält Plakette des Weimarer Mentoring-Programms +++ Heyge-Stiftung unterstützt Erzieherinnen beim gemeinsamen Musizieren mit Kindern +++ Besuch hatte sich Mitte Dezember in der Sachsenbrunner Kindertagesstätte „Fritz Weineck“ angesagt. Dr. Lorna Heyge von der gleichnamigen Heyge-Stiftung war von Weimar angereist, um den Erzieherinnen und Kindern ...

die Plakette des Weimarer Mentoring Programms (WMP) „Gemeinschaft fördern, Potentiale stärken mit Musik im Kindergarten“ zu verleihen. Die Erzieherinnen hatten sich gesagt: „Wir sind dabei! Unser Kindergarten nimmt am Programm, das von der Heyge-Stiftung entwickelt wurde und gefördert wird, teil!“ So machen sie seit September 2019 mit und bekommen die Chance, einfache und natürliche Formen des gemeinsamen Musizierens wieder bzw. neu kennenzulernen und in den Alltag einfließen zu lassen.

So war Dr. Lorna Heyge an diesem Vormittag beispielsweise in der Mäusegruppe und Käfergruppe anzutreffen. Hier beobachtete sie die Arbeit der Erzieherinnen sowie der Mentorin Birgit Bischoff. Auch die Kita-Leiterin Sibylle Langguth sah sich die Arbeit der Erwachsenen an. Da hatten die Mädchen und Jungen der Mäusegruppe mit den „Tanten“ und Birgit Bischoff zunächst einen Sitzkreis gebildet und eine Vorstellungsrunde gestartet. Jedes Kind nannte seinen Namen. Zwischendurch wurde gesungen oder rhythmisch auf den Fußboden geklopft und natürlich richteten sich neugierige Blicke auf die „Fremden“, die sonst nicht in der Kindertagesstätte anzutreffen sind.

„Bam, bam, bam – so erschallte musikalisch bei jedem Kind die Türklingel. Zunächst einzeln vorgetragen, stimmten alle Kinder im Chor mit ein. Dazwischen wurde auch einmal gehüpft und es ging mit einer „langen Reihe“ auf eine Reise. Schließlich bekam jedes Kind ein Tuch und es wurde das Lied „Der Wind treibt die Sonne durch unsere Stadt“ angestimmt. „Da ist es dunkel, gerade, hell und tief“ – auch zu diesen Worten folgten die Bewegungen. Bewegung gab es auch im Raum, als es an das Spiel „Mach auf das Tor“ ging. Es gab in dieser Gruppe nur lachende und sich freuende Gesichter.

„Wir wollen heute klatschen, wir wollen heute winken“, hieß es beispielsweise in der Käfergruppe. Das Winken erfolgte entgegen sonstiger Gewohnheiten mit den Füßen. „Wir setzen uns auf den Popo“. Für etwas schüchterne Kinder bei diesen Aktionen hatte Birgit Bischoff Einsicht und meinte: „Komm, wir machen das einmal zusammen“ – und dann wurde auch das Käferkind mit in die Aktivitäten einbezogen. „Wir drehen uns wie ein Brummkreisel“ hieß es dann und dazu wurde das Lied „Komm in die Mitte, komm zu mir“ gesungen. „Wir räumen ein, wir räumen ein, wir räumen die Tücher ein“ – regte die Kinder an, ihre Unterstützungsutensilien wieder ordentlich wegzuräumen. „Sollen wir noch etwas machen?“ – fragte Birgit Bischoff die Besucherin Dr. Lorna Heyge.

Vermittlung von Spaß am Singen

„Nein, alles ist schön!“ – so die Antwort. Mit diesem Programm will Dr. Lorna Heyge die Erzieherinnen unterstützen. Die Heyge-Stiftung wurde von Lorna und Hermann Heyge gegründet, um benachteiligte Menschen, Kinder und Seniorinnen und Senioren mit musikpädagogischen Mitteln zu unterstützen und damit sowohl die Potenziale des einzelnen Kindes als auch gemeinschaftsbildende Prozesse zu stärken. Es geht ihr aber auch ganz einfach um die Tatsache, Kindern Spaß am Singen zu vermitteln, so wie es in der Sachsenbrunner Kita zu sehen war. Die Heyge-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur.

Das Weimarer Mentoring-Programm wurde von Dr. Lorna Heyge aus der Praxis für die pädagogische Praxis entwickelt. Dabei sind ihre langjährigen beruflichen Erfahrungen eingeflossen. Die Teams der teilnehmenden Kindergärten werden über insgesamt zwei Jahre lang hinweg begleitet. Die von der Heyge-Stiftung ausgebildeten Musikmentorinnen und Musikmentoren leiten die pädagogischen Fachkräfte im ersten Jahr zwei Mal wöchentlich für jeweils 30 Minuten in ihren Gruppen an (Mentoringphase). Die pädagogischen Fachkräfte lernen dabei einfache Lieder – immer in Verbindung mit Bewegung – in den Alltag zu integrieren. Das darauffolgende Praxisjahr zielt auf die selbstständige Vertiefung des neu Erlernten.

Musik bereichert Kinder

Das Programm basiert auf einfachen, natürlichen Formen des gemeinsamen Musizierens und entfaltet seine Wirkung durch den Fokus auf die positiven Eigenschaften und Fähigkeiten der Kinder. „Pädagogische Fachkräfte erfahren praktische Unterstützung bei ihrer täglichen sehr anspruchsvollen und oft herausfordernden Tätigkeit. Durch die Arbeit mit dem gesamten Team und in allen Gruppen eines Kindergartens können alle Kinder, ungeachtet ihrer Herkunft und der sozialen Verhältnisse, praktischen Nutzen aus der musikalischen Entwicklungsförderung ziehen“, so Heyge.

Dr. Lorna Heyge ist Musikpädagogin. Musik ist für sie nicht nur passiv zu sein, sondern sich auch einzubringen. Für sie heißt Musik Körperkontrolle, Inputkontrolle, viel Sprache aber auch Förderung sozialer Kompetenzen durch Gruppenspiele. „Ich freue mich, wenn ich sehe, wie Musik Kinder bereichert. Da fördert man und hat Spaß.“ Auch im Praxisjahr 2020 ist die Sachsenbrunnerin Birgit Bischoff für die Beratung und Unterstützung zuständig. Heyge ist voller Lob: „Sie ist ein Schatz, es ist toll, dass wir sie gefunden haben. Als Musikerin und Mensch kann sie auf andere eingehen.“ Birgit Bischoff macht die Arbeit Spaß, „sie ist aber auch anstrengend“.

Die Akteure

Die Amerikanerin Dr. Lorna Heyge wohnt seit dem Jahr 2012 in Thüringen und ist mit einem Thüringer verheiratet. Früher hat sie in Deutschland studiert. Sie hat unter dem Titel „Musik-Garten“ Bücher verlegt. Ihr Programm sei auch in Asien, Afrika, den USA und Europa bekannt. Früher seien es nun einmal Eltern und Großeltern gewesen, welche die Rolle der Musikvermittlung übernahmen, heute sei dies nun nicht mehr unbedingt so. Im Jahr 2013 hat sie zusammen mit ihrem Mann die Stiftung gegründet. In den USA hatte sie aber auch bereits eine Stiftung inne.

Musiklehrerin Birgit Bischoff, die in und um Sachsenbrunn durch ihre Tätigkeit keine Unbekannte ist, begleitet die Erzieherinnen der Kindertagesstätte in dieser „Mentoringphase“ drei Tage in der Woche, wobei jede Gruppe zwei Mal in der Woche an diesem Projekt arbeitet. Für junge Erzieherinnen sei solch ein Projekt wichtig, so Bischoff, da die jetzige Erzieherinnenausbildung das so nicht beinhalte. In diesem Projekt sei alles enthalten, sind sich die Verantwortlichen einig: Musik, Bewegung und Sachbereiche. Außerdem sei die Konzentration der Kinder gefragt. „In unserer hektischen Zeit können die Kinder so auch etwas herunterfahren.“

Das Anbringen der neuen Plakette am Eingang des Sachsenbrunner Kita nahmen Eisfelds Bürgermeister Sven Gregor und Sachsenbrunns Ortsteilbürgermeister Mike Hartung persönlich vor. Am nunmehr vierten Turnus des Weimarer Mentoring-Programms nehmen insgesamt 12 neue Kindergärten mit rund 1000 Kindern und 170 Erzieherinnen und Erziehern teil. Die Heyge-Stiftung stellt hierfür 300.000 € zur Verfügung.“ Unter den Kindergärten befinden sich sieben Thüringer Einrichtungen aus Apolda, Gotha, Jena, Sachsenbrunn, Stadtilm und Erfurt.

Für Dr. Lorna Heyge gilt der Grundsatz: „Musik ist die Kunst, die alle zusammen holt.“ Ihre Stiftung sei eine operative. Ihr Ziel sei, Kooperationen mit weiteren Stiftungen zu intensivieren. Für die Sachsenbrunner Kindertagesstätte jedenfalls ist das Stiftungskonzept aufgegangen – alle Erzieherinnen und die gegenwärtig 94 Kinder nehmen an dem Projekt der Heyge-Stiftung teil.

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